Renato Rozic
03.08.2001

Mozart mit anderen Mitteln

von Eckhard Fürlus

Renato Rozic: Mozart

"Ich interpretiere Mozart nicht, sondern improvisiere so, wie er es selbst getan hat"
Renato Rozic

Die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts einmal von einer ganz anderen Seite anzugehen hat sich der Komponist, Arrangeur, Jazzgitarrist, Bach- und Mozart-Interpret Renato Rozic auf seiner bei EMI/Virgin Classics erschienenen CD zur Aufgabe gesetzt. Rozic studierte an der Musikhochschule Köln Jazzgitarre sowie Improvisation und klassische Musik. Sein Instrument ist die Gitarre, allerdings eine Gitarre der ganz besonderen Art: die Hi-End Gitarre. Durch Metallverstrebungen statisch verankert, soll sie dem Musiker eine grössere Bewegungsfreiheit am Instrument und damit ein sensibleres und virtuoseres Spiel ermöglichen. Leider enthält das CD-Booklet keine ausführlichen Informationen über die Spezifikationen des von Renato Rozic benutzten, aus Graphit gefertigten Instruments. Die Saiten werden von Rozic mit dem Plektrum angerissen; diese Spielweise, so Rozic, "ähnelt dem Klang eines Cembalos".

Seit 1989 hat Renato Rozic sich vornehmlich den Werken Bachs und Mozarts gewidmet. In den Sparten Jazz und Klassik ist er gleichermassen zu Hause. Seine Intention ist jedoch nicht die Annäherung an das Spiel des 17. und 18. Jahrhundert; Rozic möchte der inzwischen längst gängig gewordenen historischen Aufführungspraxis eine "neue Aufführungspraxis" gegenüberstellen, um so zu einer neuen Klangästhetik, der "aesthetica nova", zu gelangen. Ausgehend von den aktuellen Gegebenheiten und den Erkenntnissen aus der historischen Aufführungspraxis überführt Rozic das Material der alten Meister in die Gegenwart, um es mit einer Gruppe von Musikern mit wechselnden Besetzungen - klassische Gitarren, diverse Lauten, Theorben und Blockflöten - einzuspielen. Bei seinen Jazzprojekten kommen Sopran- und Altsaxofon sowie Klavier, Bass und Schlagzeug zum Einsatz.

Begleitet von Monika Overbeck, klassische Gitarre, und Martin Gjankonovski, Kontrabass, demonstriert Renato Rozic auf der vorliegenden CD virtuos seinen spielerischen Umgang nicht nur mit der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts, namentlich dem Rondo für Klavier D-Dur KV 485 und den Klaviersonaten Nr. 1 C-Dur KV 279 und Nr. 3 Es-Dur KV 282, sondern auch mit äusserst heterogenem Sonatenmaterial. Die Gestaltung des Covers suggeriert, dass die Adaption aus der "kleinen Nachtmusik", das Andante aus dem Konzert C-Dur KV 467 und das Allegretto "alla Turca" aus der A-Dur Sonate KV 331 mit den Satzbezeichnungen Allegro - Andante - Allegretto, die am Ende der CD wie drei Zugaben daherkommen, als mögliche Einheit verstanden werden können.

Wohlgemerkt: Rozic will nicht Klassik verjazzen oder Jazz klassisch einfärben, sondern eine eigene Stilistik etablieren. "Ich interpretiere Mozart nicht, sondern improvisiere so, wie er es selbst getan hat" lautet das Credo von Renato Rozic. Den Puristen, das ist klar, wird diese CD nicht gefallen. Aber wen kümmern schon die Puristen?