14.03.2008

Siegeszug fürs E-Auto

von Annegret Kempf

„Project Better Place“ fängt Automobil-Industrie, Infrastruktur, Politik und Konsumenten in einem kooperierenden Netzwerk ein

Öl ist nur noch für den Salat unersetzlich, an der Tankstelle hängt man das Elektroauto ans Stromkabel oder wechselt auf die Schnelle die leere gegen eine gefüllte Miet-Batterie: So sieht die Vision des einstigen Vorstands des Software-Giganten SAP, Shai Agassi, aus, der seinen Traum von einer grünen Autorevolution, die dem Mittleren Osten und der ganzen Welt zugleich den Frieden bringen soll, seit Januar diesen Jahres in seinem Heimatland Israel mit dem „Project Better Place“ realisiert.

Er hat sie alle überzeugt:

Investoren, die ihn mit 200 Millionen Dollar als Startkapital überaus großzügig ausstatteten. Carlos Ghosn, Vorstandschef des weltweit viertgrößten Autobauers Renault-Nissan, der die benötigten Elektroautos produzieren will.
Nissan, das sich um die verwendeten Lithium-Ionen-Batterien kümmern wird, die größere Fahrdistanzen und Langlebigkeit bis zur nächsten Akku-Füllung oder bis zum nächsten Batterie-Wechsel garantieren sollen, als die bislang üblichen Nickel-Cadmium-Stromspeicher.

Lithium-Ionen-Batterien wird gegenwärtig noch Feuergefährlichkeit nachgesagt, doch derlei technische Probleme halten sowohl Project-Better-Place-Vorstandschef Agassi als auch Experten, wie der Elektroauto-Energie-Spezialist Tomi Engel von der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie (DGS) für nachrangig gegenüber der Unterstützung durch Politik und flächendeckende Infrastruktur.

Satte Ernte mit Solarelektrik

Dem DGS zufolge, ist es bereits mit heutiger Technologie möglich, Autos zu bauen, die weniger als 40 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Dieses Ziel könne sogar mit einem typischen Familienwagen erreicht werden, sofern man einen elektrischen Antrieb und den passenden Stromversorger wähle. Die „Ernte“ von elektrischer Energie sei besonders effizient, da 110 Autos, mit 15 000 Kilometern Fahrleistung, pro Hektar Fläche und Jahr mit Solarelektrik versorgt werden könnten.

Die Sonne scheint über einem Ölfreien Israel

Überzeugt von Project Better Place ist auch Israels Präsident Shimon Peres, der gegenüber der Financial Times (20.01.2008) die Hoffnung aussprach, dass Israel in zehn Jahren ohne Öl auskommen werde und innerhalb weniger Jahre seine Ölimporte halbieren könne. Aufgefangen werden soll der fehlende Treibstoff durch Strom, den zwei neue große Solarkraftwerke produzieren, die Israels Regierung extra für die Sonnenstromhungrigen neuen E-Autos bauen lassen will. „Öl ist der größte Verschmutzer und der große Finanzier von Terror“, sagte Peres.

Zeitenwende - Billiger fahren mit Batterien

Geld dürfte auch die Autofahrer locken: Über die Lebenszeit eines ab 2011 erhältlichen Project-Better-Place-Elektromobils gesehen, soll es mit der günstigeren Elektrizität ein weitaus billigerer Fahruntersatz sein, als herkömmliche Autos.
Einem Kostenfaktor wird dabei die Schärfe genommen: Die teuren Batterien werden in Form eines Abos, per Unterschrift beim Netzwerk, gemietet und an dessen Service-Stationen genauso schnell ausgetauscht, wie ein herkömmlicher PKW betankt wird. Der an die Abonnenten mitgelieferte Strom wird nach gefahrenen Kilometern abgerechnet.
Das – ähnlich einem Handy - bezuschusste E-Auto selbst wird den Besitzern gehören, die kein Einheits-Gefährt fürchten müssen, sondern – Agassi zufolge - zwischen vielerlei Modellen der Kooperationspartner von Projcet Better Place auswählen dürfen. „Wir haben eine historische Schwelle überschritten, wo Elektrizität und Batterien eine billigere Alternative für Konsumenten darstellen“, sagte Agassi bei der Projektvorstellung.